Lokale und Globale Balance

Jedem krankhaften Zustand an Soma oder Psyche liegt eine Dysbalance zugrunde. Unordnung ist eingetreten, etwas ist aus dem Gleichgewicht geraten. Unsere therapeutische Aufgabe besteht darin, den ursprünglich ausgeglichenen Zustand wiederherzustellen.

 

Während die Lokale Balance darauf abzielt, ein mehr oder weniger begrenztes Areal - z.b. ein schmerzhaftes Gelenk - zu behandeln, ermöglicht es die Globale Balance, den gesamten Menschen wieder in das Gleichgewicht zu bringen. Dies nicht nur auf Meridianebene, sondern auch auf Ebene der Organe ZangFu. Nicht nur das Soma wird therapiert, sondern auch die Ebene der Psyche. Nadeln werden zwar auf den Meridianen gesetzt, diese jedoch verfügen auch über einen Inneren Verlauf, welcher die Organe erreicht. Darüber hinaus besitzt jedes Organ über ein für dieses charakteristische psychoemotionales Reaktionsmuster. Wir erreichen mit der Nadel also sowohl Soma wie auch die Psyche. Um diese ganzheitliche Therapie durchzuführen, müssen allerdings bestimmte Regeln eingehalten werden. 

Der Begriff des Meridians

Heute kaum noch bekannt ist Willhelm ten Rhyne, 1647 - 17.00, tätig in Japan im Auftrag der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Als Arzt zeigte er Interesse für die zu seiner Zeit in Japan prakizierte Medizin. Im Rahmen seiner Nachforschungen stiess er auf Zeichnungen, welche den Menschlichen Körper darstellen, mit an den Extremitäten und am Stamm in longitudinaler Anordnung gereihten Punkten, welche mit entsprechend longitudinal verlaufenden Linien verbunden sind. Die Akupunkturärzte erklärten Ihm die Bedeutung, und Willhelm ten Rhyne schrieb diese Erklärungen nieder in seiner Schrift «De Acupunctura» Hier ist in Erfahrung zu bringen, dass in einiger Tiefe im Körper- an der Oberfläche nicht sichtbar, Hauptblutgefässe JingMai (unsere Hauptmeridiane) verlaufen.

 

Von diesen ziehen sich verästelnde Abzweigungen in Richtung Oberfläche, wobei an bestimmtem Stellen unter der Haut die Dichte der kleinen Blutgefässe besonders hoch ist. An diesen Stellen sei es sinnvoll, zu therapeutischen Zwecken eine Nadel einzustechen oder einen Moxakegel abzubrennen. In dieser Deutung sind die von uns als Meridiane bezeichneten Linien Projektionen von tieferliegenden Blutgefässen auf die Oberfläche. Die Deutung von Akupunkturpunkten als dichte Ansammlung kleinster Blutgefässe ist kompatibel mit unserem Wissen darüber, dass sich Akupunkturpunkte dort befinden, wo ein Gefässnervenbündel durch die oberflächliche Faszie tritt.

 

Dr. Johannes Hickelsberger